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von Familie Dapprich

Von Vaterfreuden, erfolgreichen Dienstprüfungen zum Lokführer und einer Mondlandung zwischendurch

Amstetten

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Der Urgroßvater von Jürgen Dapprich väterlicherseits, Johann Oberleitner, begann nach einer Elektriker-Lehre seinen Dienst bei den k.k. österreichischen Staatsbahnen. Gleichzeitig startete auch sein Urgroßvater mütterlicherseits, Josef Rameis, seine Karriere als Heizer bei der Eisenbahn. Leider weiß Jürgen Dapprich nicht, ob sich seine beiden Urgroßväter persönlich gekannt haben. Die Wahrscheinlichkeit ist aber relativ hoch, weil beide zu dieser Zeit in Amstetten wohnten und mit 1891 und 1892 auch fast den gleichen Geburtsjahrgang haben.

Beide haben vor dem 1. Weltkrieg bei den k.k. österreichischen Staatsbahnen zu arbeiten begonnen. Nach der Monarchie ging es dann bei den Österreichischen Staatsbahnen weiter. Mit dem Anschluss Österreichs waren sie ab 1938 bei den Deutschen Reichsbahnen beschäftigt und nach dem 2. Weltkrieg haben beide noch kurz bis zu ihrer Pensionierung bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) gearbeitet. 

Der Sohn von Josef Rameis, Jürgens Großvater Ernst Rameis, wurde nach seiner Schlosserausbildung gleich zum Militärdienst eingezogen, den er 1945 in amerikanischer Kriegsgefangenschaft wohlbehalten überlebte. Nach der Rückkehr nach Amstetten begann er zuerst als Heizer und später als Lokführer bei der Eisenbahn zu arbeiten. Amstetten gehörte damals zur russischen Besatzungszone und Jürgen kann sich noch gut erinnern, wie ihm sein Großvater oft vom kargen Alltag nach dem Krieg erzählt hat. Er hat aber auch immer gemeint, dass es ein großes Glück war, bei der Bahn zu arbeiten, da er so gerade in Krisenzeiten einen sicheren Arbeitsplatz hatte.

Dienst am Heiligen Abend 1951 – es ging aufwärts mit Österreich. Die Schutthaufen des letzten Krieges waren beseitigt und wie man an den fröhlichen Gesichtern der Männer sehen kann, herrschte wieder Zuversicht. Ernst Rameis ist hier vorne ganz rechts im Bild zu sehen

 

Der Verschubdienst in Amstetten wurde damals von einer Dampflok der Baureihe 92 übernommen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs blieben noch 50 Exemplare der Reihe 92 bei den ÖBB. Das Foto dürfte ca. 1956 im Bahnhof Amstetten entstanden sein – im Hintergrund ist ganz schwach der „Eiserne Steg“ erkennbar. Ernst Rameis links im Bild.

 

Der 13. Dezember 1968 war ein großer Tag im Leben von Ernst Rameis. Er hatte die Ehre, als Lokführer der Vorspannlok an der Eröffnungsfahrt einer E-Lok von Amstetten nach Kleinreifling teilzunehmen. Ernst Rameis vorne aus dem Fenster schauend.

Der Vater von Jürgen, Johann Dapprich, hat ab seinem 15. Lebensjahr eine Schlosserlehre in der ÖBB-Hauptwerkstätte in St. Pölten begonnen und 3 Jahre später erfolgreich abgeschlossen. Nach dem Ableisten des Präsenzdienstes beim Österreichischen Bundesheer als Panzerfahrer in der Kaserne Sprazern, wurde er am 1. März 1964 bei den ÖBB als Schlosser eingestellt.

Der Stundenlohn war im Jahr 1964 mit 10,05 Schilling festgesetzt.

Im Jahre 1966 wurde Jürgens Vater dann nach Amstetten versetzt, wo er zunächst im Verschubdienst eingesetzt war. Etwas später hat er um Zulassung zum Lokführerkurs ersucht. Nach Prüfung aller Dokumente durch die übergeordneten Dienststellen und Bestehen der Aufnahmeprüfung, konnte er 1968 mit dem Kurs beginnen.

 

Johann Dapprich ganz links

Die Dienstprüfung zum Lokführer hat er Vater mit Erfolg am 25. Juni 1969 abgelegt. 12 Tage vorher, also am 13 Juni wurde Jürgen geboren, dazwischen war auch noch die 1. Mondlandung, also eine sehr ereignisreiche Woche für die junge Familie.

Während seiner Ausbildung zum Lokführer hat Johann Dapprich auch noch als Heizer bzw. Oberheizer auf Dampflokomotiven gearbeitet, die natürlich noch Jahre nach der Elektrifizierung der Westbahn und Rudolfsbahn im Verschubdienst im Einsatz waren. Das Foto wurde im Bahnhof Weyer aufgenommen und zeigt eine Dampflokomotive der Reihe 92. Diese spezielle Lok, 92.2234, ist in schrottreifem Zustand im Eisenbahnmuseum Strasshof erhalten geblieben. Johann Dapprich steht links von der Lok.

Als jüngster Sohn hat sich auch Jürgen sehr früh entschlossen, Lokführer zu werden und sein beruflicher Lebenslauf ist dem seines Vaters sehr ähnlich. Auch er hat von 1984 – 1988 die Lehrwerkstätte in St. Pölten besucht. Nach 2 Jahren als Schlosser wurde er 1990 nach Wien-Süd versetzt und begann dort mit dem 29. Triebfahrzeug-Kurs. Im Jahre 1991 legte er erfolgreich die Dienstprüfung ab und wurde ein Jahr später in seine Heimatstadt Amstetten versetzt, wo er nach 26 Jahren noch immer pflichtbewusst seinen Dienst als Triebfahrzeugführer versieht.

Zwischen diesen Fotos liegen 35 Jahre. Als Dreizehnjähriger wurde Jürgen von seinem Vater in den Dienst mitgenommen und für ein Foto durfte er im Bahnhof am Führerstand Platz nehmen.

Viel hat sich seither geändert – alles ist moderner und schneller geworden, vielleicht auch ein bisschen bequemer als früher. Die Arbeit des Lokführers hat sich aber dem Grundsatz nach nicht verändert: Nach wie vor sitzt er alleine an der Zugspitze auf einer mehreren tausend PS-starken Maschine und bringt Menschen und Güter, egal ob Sonne, Regen, Schnee oder Sturm, bei Tag und bei Nacht, wohlbehalten und pünktlich ans Ziel.

Lokführer ist nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung.

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